Head of Marketing

Was wäre mein Traumjob, wenn ich Afilio nicht gegründet hätte? Seit ich "This Is Marketing" (Zusammenfassung als Masterclass hier) von Seth Godin gelesen habe, ist die Antwort "Head of Marketing". Das liegt weniger daran, dass ich eine verborgene Passion für Marketing entdeckt habe - im Gegenteil, sondern daran, dass ich durch das Buch einen neuen Blick darauf gewonnen habe, was Marketing ist.

Vorher war Marketing für mich mit Werbung gleichzusetzen. In den meisten Firmen stimmt das auch: Die Geschäftsführer definieren die Vision, die Strategie und die Positionierung am Markt. Der Head of Marketing ist für die Werbung verantwortlich - zumindest bis entschieden wird, welcher Werbespot gesendet wird. Das ist Chefsache.

Mein Traumjob sieht anders aus.

Seth schreibt: "To be the head of marketing, you need the freedom and responsibility to change the way things work, not simply how they’re talked about." Und das gefällt mir viel besser.

Als Head of Marketing nach dieser Definition könnte ich 100% meiner Zeit auf die Themen fokussieren, die mir am Gründer sein am meisten Spaß machen. Das ist eine Rolle, in der man Veränderungen für viele Menschen bewirken kann und Verantwortung für wichtige Ergebnisse übernimmt.

Als Gründer habe ich mittlerweile eine andere Herausforderung: Ich muss mir eingestehen, dass ich mich nicht so auf das Marketing fokussieren kann, wie es eine Head of Marketing tun könnte.

Das Ergebnis ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Und das wollen wir ändern - mit dem vollen Bewusstsein, dass es nicht einfach wird. Wir suchen eine Head of Marketing, die nicht nur ausführt, sondern strategische Entscheidungen verantwortet. Die sich nicht fragt, was wir Gründer von ihr sehen wollen, sondern uns als Ressource nutzt, um das eigentliche Ziel zu erreichen: Wichtige Veränderungen für viele Menschen zu bewirken.

How much time do you spend working on hard problems?

Here's a game changer to productivity: For one week, track the time you're working on hard problems. Simply download a time tracker app like Atracker and add one item: "hard". Be honest with yourself.

When I did this, I found that in a 60 hour work week, I only spent 7 hours working on hard problems.

If you're feeling overwhelmed or stuck although you're already putting in the hours, chances are you're avoiding the hard part.

What is the hard part?

The hard part is the difficult work that, if it went well, would transform the impact of your project, your relationship, your life. It is that which which produces the most Resistance. The opposite of a shortcut.

It is generous, creative work defined as "expanding emotional energy for the benefit of someone else". It involves the risk of this might not work.

For me it's to work on the business, not in the business: hiring, helping people succeed, figuring out the best way forward. It's to share what I learn in a generous way although I feel like I don't know enough to share anything. It's reaching out to ask for help.

If you don't know what the hard part is for you, acknowledge that. Don't shrug it off. Take your time to figure it out by looking for symptoms of Resistance in your life. What are you afraid of? Where do you give yourself an easy pass?

Start now, by measuring the time you spend working on hard problems for just one week.

Wie wir von älteren Generationen lernen können, dass es im Leben keine Generalproben gibt

Diesen Text, der auf einem Artikel über meinen Opa aus 2018 basiert, habe ich für den Podcast "Der 8. Tag" von The Pioneer mit Diana Kinnert geschrieben. Hier geht's zur Episode (Spotify).

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Guten Tag. Mein Name ist Till Oltmanns. Ich bin 25 Jahre alt und finde, dass wir Jungen mehr von den älteren Generationen lernen müssen.

Ich bin Teil einer Generation, die mehr Chancen und Freiheiten hat, als je zuvor. Wir müssen nach der Schule nicht zum Bund oder Zivildienst, sondern machen ein Gap Year. Können uns frei entscheiden, wie wir unser Leben gestalten und welchen Beruf wir ausüben möchten. Uns steht die Welt offen und wir hören von allen Seiten, dass wir alles werden, alles erreichen können. Wir haben viele Chancen - aber wissen nicht, was wir damit machen sollen, weil wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen und das macht uns Druck. Bei Instagram sehen wir ständig, wie scheinbar jeder diese Chancen nutzt und ein total aufregendes Leben führt, während uns unser eigenes Leben meistens so gar nicht aufregend vorkommt. Wir vergleichen uns mit der ganzen Welt und das überfordert uns.

Was wir haben, ist Freiheit. Was uns fehlt, ist die Orientierung, um sie zu nutzen.

Meine These ist, dass wir diese Orientierung finden können, wenn wir mehr und vor allem anders mit älteren Generationen sprechen und von ihnen lernen. Insbesondere was unseren Blick auf die Zeit und wie wir sie nutzen angeht. Wie komme ich darauf?

Ich bin Mitgründer von Afilio. Ein Startup, mit dem wir das Thema “Vorsorge” digital abbilden und somit einfach und zugänglich machen. Das kann man sich so vorstellen: Vor Afilio musste man zum Anwalt oder Notar gehen, um Dokumente wie die Patientenverfügung oder eine Vollmacht zu verfassen. Das kostet Geld, ist aufwändig und man muss das bei jeder Änderung erneut machen. Um Versicherungen zu regeln, muss man mit Vertretern sprechen - dem Beruf mit dem geringsten sozialen Ansehen. Und wenn in der Familie etwas passiert, z.B. ein Pflege- oder Todesfall eintritt, dann steht man trotzdem alleine da. Mit Afilio ist das anders. Man kann bei uns all diese Themen an einem Ort regeln - mit einfachen Erklärungen und komplett digital. Wir haben mittlerweile über 2.000.000 Nutzer und da ist von der 20 jährigen Berufseinsteigerin bis zum 100 jährigen Testamentsverfasser alles dabei. 

Ich habe daher viel Kontakt zu älteren Menschen und habe dadurch gelernt, wie wichtig ihre Erfahrungen für meine Generation sind. 

Das wurde mir noch einmal verdeutlicht, als ich vor Kurzem das Buch “Diese ganze Scheiße mit der Zeit” von Hubertus Meyer-Burckhardt, dem Gastgeber der NDR Talk Show, las. Er bekommt eine plötzliche Krebsdiagnose und schreibt mit Sprüchen wie “Du hast zwei Leben. Das zweite beginnt wenn Du begreifst, dass Du nur eines hast” darüber, wie sich dadurch sein Blick auf das Leben verändert hat. Über einen Absatz habe ich seitdem oft nachgedacht. Er schreibt: “Wegen Shaw (so nennt er sein Karzinom) fiel mir plötzlich Peter Ustinov ein, der wohl erkannt hatte, dass sich ab einem gewissen Alter das, was man für die Generalprobe gehalten hat, schon als die Vorstellung herausstellt. Und genau darüber könnte ich in der Tat manchmal heulen, über meine Unfähigkeit in jüngeren Jahren, die Zeit, die vor mir lag, so zu würdigen, wie sie es verdient hätte. Als ich jung war, hatte ich kein Geld, aber Zeit. Nun ist es umgekehrt.”

Seitdem ich diesen Absatz gelesen habe, frage ich mich, was wäre, wenn jeder Mensch mit Anfang 20 dieses Gefühl versteht. Da reicht es nicht, den Absatz zu lesen. Man muss mit den Menschen sprechen, die diese Erfahrung gemacht haben. Mit älteren Menschen. Viele von ihnen bedauern am Ende ihres Lebens, die Zeit nicht richtig genutzt zu haben. Sie hatten Wünsche und Träume, die sie nie verwirklicht haben. Das liegt nicht unbedingt an fehlendem Mut, sondern vor allem daran, dass sie die Zukunft falsch eingeschätzt haben. In einem kleineren Ausmaß passiert das auch schon in früheren Lebensphasen. Man mag ja darüber schmunzeln, dass man vielleicht einmal dachte, die Wahl der Leistungskurse würde die Karriere bestimmen. Aber egal, ob man in der Schule ist und sich denkt “Nach dem Abi geht es richtig los”, oder, ob man in den ersten Job startet und hofft, dass es nach zwei Jahren besser wird. Man wartet immer darauf, dass noch etwas kommt und auf einmal sind 10 Jahre vorbei. Soviel zum Thema Generalprobe. 

Aber nicht nur von ernsthaft erkrankten Fernsehmoderatoren können wir lernen. Ab einem gewissen Alter hat jeder Mensch ganz besondere Erfahrungen gesammelt, die uns bei unseren eigenen Herausforderungen Orientierung geben können. In meinem Leben war das vor allem mein Großvater. Er war zwar immer ein Vorbild für mich, vor allem aber gab es zwischen uns nicht diese Distanz, die es oft zwischen alten und jungen Menschen gibt. Manchmal erlebe ich es bei Freunden, dass sie sich ganz anders verhalten, wenn sie mit älteren sprechen. Da verändert sich die Stimmlange, sie sitzen ganz gerade, sind übertrieben freundlich und grinsen so doof. “Hallo Frau Müller, wie geht es Ihnen Frau Müller, was macht die Hüfte Frau Müller?” Da kann natürlich kein tiefgründiges Gespräch entstehen. So war das bei meinem Opa und mir nie. Wir waren trotz des großen Altersunterschieds vor allem in den letzten Jahren seines Lebens einfach beste Freunde und haben uns auch genauso unterhalten. Ich möchte hier darüber sprechen, was ich von ihm gelernt habe und fange ganz hinten an: Bei den letzten Stunden seines Lebens. 

Mit fast 94 Jahren war mein Opa Kuddel auf dem Sterbebett der glücklichste Mann im Raum. Es war der Vorabend seines Geburtstages und er wollte seine „Gäste“ nicht enttäuschen. Außerdem hatte er in seinem Leben größere Herausforderungen gemeistert, als dass Sterben ihm die Stimmung vermiesen könnte.

Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. Die Schule brach er ab und folgte seinen älteren Freunden unbesonnen in die Hitlerjugend. Um, wie er sagte, „etwas in der Hand zu haben“, absolvierte er rechtzeitig vor Kriegsbeginn eine kaufmännische Lehre. Zur Abschlussprüfung erschien er bereits in Uniform.

Vor einigen Jahren zog ich nach Berlin, in die Nähe der Kastanienallee. Im selben Alter, während des Endkampfes in Berlin 1945, kämpfte er sich an dieser Stelle durch die russischen Linien, um aus Berlin zu fliehen und der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Erschöpft ist er bei einer Rast in den Wäldern am Rande Berlins eingeschlafen und wurde von seinen Kameraden zurückgelassen. Das war sein großes Glück, wie er sagt. Auf sich alleine gestellt war die Chance, erwischt zu werden, geringer. Er machte sich auf einen dreimonatigen Fußmarsch nach Hamburg, seiner Heimatstadt und orientierte sich dabei an der Sonne. Daran muss ich denken, wenn ich mich mit meinem iPhone in der Hand verlaufe.

In Hamburg angekommen hatte er die Wahl zwischen drei Berufen: Maler, Dachdecker oder Tischler. Er entschied sich dazu, auf den Dächern Hamburgs seinen Beitrag zum Wiederaufbau zu leisten. Noch in seinen letzten Jahren, inzwischen fast erblindet, konnte er mir auf gemeinsamen Ausflügen durch Hamburg immer genau sagen, auf welchen Dächern er gearbeitet hat.

Die Zeit als Dachdecker währte nicht lange. Es gab kaum Nahrungsmittel, erst Recht kein Fleisch. Bekannte von Kuddel kamen auf die Idee, einen stehenden Frachtzug aufzubrechen, um ein Paar Kisten Trockenfleisch zu ergattern. Kuddel musste Schmiere stehen. Einige Wochen später stand die Polizei vor der Wohnung seiner Mutter, dort lebte er zur Zeit. Auf dem Dachboden fanden sie die noch fast volle Kiste Trockenfleisch und für Kuddel ging es für acht Monate hinter Gitter. Als er mir die Geschichte erzählte, bereute er, das Fleisch nicht eher verputzt zu haben. Es war für ihn so wertvoll, dass er sich jeden Tag nur ein kleines Stück genehmigte. Außerdem plagte ihn ein schlechtes Gewissen und er war beinahe froh, dass er davon bereinigt wurde. Weniger froh war er über die Tatsache, dass er die nächsten Monate im Gefängnis verbringen musste. Das war jedoch besser, als die russische Kriegsgefangenschaft.

70 Jahre später sitze ich an seinem Sterbebett. Man sagt, dass Menschen in Todesnähe ihr Leben Revue passieren lassen. Daher war ich gespannt, was er uns sagen würde, als er tief Luft holte und seine Kraft zusammennahm, um uns eine Botschaft mit auf den Weg zu geben. Es folgte... ein Witz. Und was für einer. Es ging um den Penisvergleich zwischen einem Jungen und einem Pferd. Ich frage mich, was in diesen letzten Stunden in seinem Kopf vorging, dass er sich von all den Dingen, die er hätte sagen können, für einen anzüglichen Witz entschied. Nichts hätte uns mehr gezeigt, dass er mit sich und der Welt im Reinen war.

Als ich einige Tage später meine Rede für seine Bestattung schreibe, frage ich mich, ob ich jemals so zufrieden, gelassen, dankbar und gleichzeitig diszipliniert und willensstark wie Kuddel sein werde. Schließlich waren seine einzigartigen Eigenschaften ein Ergebnis der harten Zeiten, durch die er sich kämpfen musste. Das ist bei mir anders, denn vergleichbare Herausforderungen gibt und gab es für mich nicht. Das gilt, zumindest in Deutschland, für einen Großteil meiner Generation. Im Alter, in dem Kuddel 3 Monate lang durch den Dreck nach Hause kroch, in der Lebensphase, in der er im Gefängnis war, weil Trockenfleisch so wertvoll war, um dafür ein “Verbrechen” zu begehen, sorgen wir uns um Fitness und Lifestyle und sind damit besorgt, “uns selbst zu finden”. Wir bekommen nicht nur Midlife- sondern auch Quarterlife-Crisis und Burnout im Studium.

Statt Krieg, Hunger und Ungewissheit haben wir Probleme damit, morgens aufzustehen und abends einzuschlafen, sind oft gereizt aber selten erschöpft, weil wir nicht hart arbeiten und das auch nicht müssen. Wir wurden beschützt und verschont, das hat uns vieles erspart. Doch bezahlen wir jetzt dafür mit dem Gefühl, verloren zu sein. Wir sind die erste Generation in Deutschland, die ohne die Folgen eines Kriegs oder schwerwiegenden Konflikts aufwächst und nach dem Schulabschluss nicht zum Bund oder Zivildienst muss. Wir sind die Ersten, die wirkliche Freiheit haben - und leiden darunter zunehmend.

Wir stellen uns Sinnfragen, die sich vor einigen Jahrzehnten kein 20-Jähriger gestellt hätte. Identitätskrisen, Unsicherheit und Unzufriedenheit sind die Folge. Wir sind wie gelähmt und können das Potential, das Freiheit mit sich bringt, weder ausschöpfen, noch genießen.

Kuddel konnte das, denn er musste sich seine Freiheiten erst verdienen.

Ich bin ihm dankbar dafür, dass er mir ein so guter Lehrer war und bin mir sicher: wenn meine Enkelkinder einmal so über mich denken, wie ich über ihn, dann ist alles gut. Bis dahin ist es noch ein langer - und mit Mitte 20 - unklarer Weg. Die Sicherheit und Ruhe, die Erwachsene aus Sicht eines Kindes ausstrahlen, entpuppen sich mit der Zeit als immer stärker bröckelnde Fassade und es scheint, als würde es den Zustand, den Kinder als “erwachsen” wahrnehmen, gar nicht geben.

In Momenten der Orientierungslosigkeit  suche ich nach Weisheit, Regeln und Prinzipien und finde sie immer wieder unerwartet in Kuddels Leben.

Es geht mir nicht darum, „alles“ richtig zu machen. Auch Kuddel hatte viele Fehler. Mein Ziel ist es, unabhängig von Leid, Niederlagen und Enttäuschung mit einem breiten Grinsen durchs Leben zu gehen, mich selbst nicht so ernst zu nehmen, hart zu arbeiten und mein privilegiertes Leben wertzuschätzen - wie mein Opa es mir beigebracht hat.

Jetzt hat natürlich nicht jeder einen Opa Kuddel. Zum Glück ist das auch gar nicht notwendig. Wenn wir dafür offen sind, ergeben sich mit der Zeit viele Gelegenheiten, älteren Menschen die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Aber warum findet dieser Austausch so wenig statt? Ich denke, dass es da eine unnötige Barriere zwischen den Generationen gibt. Aus Sicht der Älteren kann ich das nicht beurteilen, aber aus Sicht der Jüngeren gibt es ein Bild von “den Alten”, das meiner Ansicht nach falsch ist und Distanz schafft. In meinen Gesprächen ist mir eines klar geworden:

Den Zustand, den man in jungen Jahren als “alt” wahrnimmt, gibt es nicht. Auch alte Menschen fühlen sich nicht alt. Sie sind nicht abgeklärt und stehen nicht unbedingt mit beiden Beinen im Leben. Sie zweifeln genau so wie wir, haben Ängste und Sorgen, Ziele und Pläne. Aber sie haben einige Lebenskrisen erfolgreich gemeistert und können uns dabei helfen, einen anderen Blick auf die Dinge zu gewinnen - wenn wir ihnen auf Augenhöhe begegnen und sie ehrlich um Rat fragen. 

Also: Nimm ältere Menschen nicht als grundlegend anders wahr. Betrachte sie als interessante Gesprächspartner, von denen Du viel lernen kannst. Stelle ihnen Fragen, die Du auch Deinen Freunden stellen würdest. Und denk daran, dass das, was Du für die Generalprobe hältst, schon die Vorstellung ist.

Seth Godin

Paul Graham

Mein Favorit ist Determination.

Durch Life is Short habe ich verstanden, wie viel Zeit und Energie Menschen in Bullshit investieren. Seitdem arbeite ich daran, das zu vermeiden.

The Lesson to Unlearn hat mir erklärt, was mich an Schule und Uni frustriert hat und warum ich ein Startup gründen wollte. Das war mir damals nicht bewusst und der Artikel hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

Why Nerds are Unpopular ist kontrovers und, wenn man sich darauf einlässt, schmerzhaft und augenöffnend.

Schlep Blindness, Do Things That Don't Scale, How Not to Die, How to Make Wealth und Early Work sind meine Favoriten zum Thema Startups. Ein guter Einstieg ist seine Stanford Lecture "Before the startup" (YouTube).

My top 10 books

  1. 12 Rules For Life by Jordan B. Peterson
  2. Scar Tissue by Anthony Kiedis
  3. Atlas Shrugged by Ayn Rand
  4. Not Fade Away - A Short Life Well Lived by Peter Barton
  5. Catching The Sky (Audiobook) by Colten Moore
  6. The Snowball - Warren Buffett and the Business of Life by Alice Schroeder
  7. Poor Charlie's Almanack by Peter Kaufman
  8. The War of Art by Steven Pressfield
  9. When Things Fall Apart by Pema Chödrön
  10. Anything You Want by Derek Sivers

Do not use shortcuts

Not because they don't work, but because they sometimes do.

And once you get hooked on finding the easy way, the hack, you will choose to work on hackable tasks, avoiding the hard part where most of the value is created.

The only way to make yourself face the hard part is by setting a high bar for how you do things.

Look for shortcuts and decide not to use them.

Afilio hat 2.000.000 Nutzer - Zeit für einen Rückblick

---- English version below ---

Ich erinnere mich an die ersten Wochen, in denen wir uns das Ziel gesetzt hatten, 100 Nutzer zu gewinnen. Wir standen mit unseren druckfrischen Flyern bei REWE und haben sie aus Angst, fremde Menschen auf das Thema „Vorsorge” anzusprechen, einfach an das schwarze Brett gehängt. Ohne Erfolg. Heute, fast drei Jahre später, haben wir 2.000.000 Nutzer. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Wir möchten diesen Meilenstein zum Anlass nehmen, die Frage zu beantworten, die uns am häufigsten gestellt wird: „Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen?”.

So ein Rückblick auf die Anfänge eines Unternehmens steht ja meist unter dem Stern, dass die Firma ein riesiger Erfolg wurde. Dann liest sich die Geschichte flüssig und jeder Schritt ergibt Sinn. Diesen Punkt haben wir mit Afilio noch nicht erreicht. Vor allem aber vernachlässigt die Erfolgsgeschichte aus der Einleitung, dass zwischen der Idee, gemeinsam eine Firma zu gründen, und der Flyer-Aktion bei REWE, zwei Jahre lagen, in denen viele Schritte keinen Sinn ergaben.  

Diese zwei Jahre beginnen mit einer Vorlesung zum Thema „Innovation Management” an der WHU in Vallendar, wo Philip und ich BWL studierten. In der Vorlesung ging es um Unternehmen wie Uber, Delivery Hero & Co. Zu der Zeit hatten wir beide pflegebedürftige Großeltern und haben erlebt, wie belastend diese Situation für unsere Familien ist. Uns kam der Gedanke, dass viele der Innovationen aus unserer Vorlesung für uns persönlich nicht wirklich wichtig sind, aber für ältere Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, lebensverändernd sein könnten. 

Der Anfang von Afilio hat also nichts mit Vorsorge, Versicherungen oder Testamenten zu tun, sondern mit der Frage: „Wie können wir technologische Innovationen einer älteren Zielgruppe zugänglich machen?”.

Unsere erste Idee: Ein technologiebasierter Pflegedienst, der die Vorteile persönlicher Betreuung mit den technologischen Innovationen unseres Alltags verbindet. Mit der Hilfe eines Betreuers könnten Senioren beispielsweise mit Alexa eigenständig ein Uber oder eine Pizza bestellen, oder mit Audible alle verfügbaren Hörbücher hören, in der ARD Mediathek jederzeit das Alpenpanorama sehen oder mit der Familie skypen. Das würde ihr Leben verbessern. 

Wir waren zu dieser Zeit mindestens zweimal davon überzeugt, eine Idee zu haben, mit der wir durchstarten würden - Afilio war nicht dabei. 

Am Weitesten hat es „Sentek” gebracht. Das steht für Senioren und Technologie. Die Idee: Pflegebedürftige Senioren bekommen intelligente Hardware, also technische Produkte wie Sensoren oder eine Smartwatch, die Tagesabläufe und Vitalfunktionen messen und Alarm schlagen, wenn es Auffälligkeiten gibt. So können beispielsweise alleinstehende Senioren länger Zuhause wohnen bleiben und Angehörige haben die Gewissheit, dass alles in Ordnung ist, wenn sie selbst nicht vor Ort sind. 

Wir haben eine Investorenpräsentation und einen Businessplan verfasst, einen umfangreichen Antrag auf Fördergelder gestellt, Prototypen für die Smartwatch bestellt und sogar unsere Abschlussarbeit über das Thema geschrieben: „Technological Innovation and the Future of Senior Care”.

Wer kennt sie nicht? Chronos und Hera - die Alltagsbegleiter aus dem Hause Sentek


Für sechs Monate war unser Plan, nach dem Abschluss Sentek zu gründen. Nach der Abschlussarbeit mussten wir feststellen, dass das nicht funktionieren würde. Bestehende Lösungen wie der klassische Hausnotruf werden von der Kasse übernommen und es gibt keine Zahlungsbereitschaft für innovative Produkte. Außerdem haben wir uns nicht an Hardware getraut. Im Nachhinein sind wir darüber sehr froh. 

Da saßen wir nun im April 2017 in unserer Wohnung in Vallendar. Das Studium war vorbei und wir hatten keine zündende Idee. Also haben wir die Zeit genutzt, um mithilfe eines Online-Kurses Programmieren zu lernen. Durch den Kurs bin ich durchgefallen, aber er war dennoch Gold wert. Philip hat ihn immerhin mehr oder weniger bestanden. Natürlich konnten wir dadurch auch nicht richtig programmieren, aber es hat gereicht, um einfache Webseiten zu erstellen.

Unsere Ideenfindung lief ununterbrochen weiter. Sie gipfelte in einem langen Spaziergang, auf dem wir abwechselnd Ideen nennen mussten, egal wie absurd. Heraus kam eine bunte Liste, der man ansieht, dass sie unter „Zeitdruck” entstanden ist. Afilio war in Ansätzen mit dabei, aber nicht unter den Top Fünf:

Geniale Ideen zu verschenken! Ein Wunder, dass es wirkaufendeinboot.de immer noch nicht gibt


Und dann ging alles ganz schnell.

Im Bekanntenkreis der Familie meiner Freundin gab es nach einem Todesfall Probleme mit dem „digitalen Nachlass” des Verstorbenen, also Daten und Online-Accounts. LinkedIn hat beispielsweise dazu aufgefordert, dem mittlerweile Verstorbenen zu einem Jubiläum zu gratulieren und niemand hatte Zugriff auf sein Konto.

Wir haben uns gefragt, wie man den digitalen Nachlass schon zu Lebzeiten regeln kann. Die Antwort: So wie den restlichen Nachlass auch, mit einem Testament. Das hat gut gepasst, weil die Idee eines Testamentgenerators und digitalen Nachlassverwalters ja auch schon auf unserer Liste stand. Der durchschnittliche Testamentsverfasser ist außerdem vom Alter her in unserer initialen Zielgruppe, der wir digitale Lösungen zugänglich machen wollten - so schließt sich der Kreis. 

In den ersten Gesprächen mit der Zielgruppe wurde direkt klar, dass Themen wie Vollmachten oder eine Patientenverfügung für die Menschen viel relevanter sind, als der digitale Nachlass. Daher beschlossen wir, eine Plattform zu entwickeln, auf der Nutzer diese Dokumente ohne Anwalt oder Notar erstellen und jederzeit kostenlos aktualisieren können. 

Zwei Jahre lang waren wir auf der Suche nach einer Idee. Es hat sich so angefühlt, als sei sie alles was man braucht, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Als wir sie dann endlich hatten, wurde uns klar, dass sie nur einen kleinen Teil ausmacht. Was wirklich zählt, ist die Umsetzung und wir können gar nicht ausdrücken, wie dankbar wir über die Unterstützung sind, die wir dabei haben. 

Ohne Richard, unseren Mitgründer und CTO („Chef-Entwickler”) gäbe es Afilio nicht. Im ersten Jahr hat er die Plattform fast im Alleingang entwickelt und mittlerweile hat er das beste Produkt-Team Berlins aufgebaut. Der Überzeugung bin ich wirklich. Das liegt zum einen an den hervorragenden Menschen, die er dafür eingestellt hat, zum anderen an der ganz besonderen Arbeits- und Denkweise, die ich aus keinem anderen Unternehmen kenne. Seine Art, Dinge gründlich zu hinterfragen und Optionen aufzuzeigen, die andere auf den ersten Blick nicht sehen, hat uns vor einigen Fehltritten bewahrt.  

Jan, unser erster Mitarbeiter, sorgt jeden Tag für gute Stimmung. Das klingt lapidar, ist aber in einem jungen Unternehmen, in dem vieles Ungewiss ist, unfassbar wichtig. Die meisten jungen Unternehmen geben auf, weil Mitarbeiter und die Gründer demoralisiert sind. Mit einem Jan im Team kann das nicht passieren. Insbesondere in der Homeoffice-Zeit ist es schwierig, eine positive Stimmung im Team zu bewahren, aber ihm scheint das irgendwie leicht zu fallen.

Liebes Team, danke für die großartige Unterstützung! Dank euch können wir uns keinen schöneren Job vorstellen und können es nicht erwarten, zu sehen, was die nächsten Jahre für uns alle bereithalten.

Über 190.000 Nutzer haben uns seit Gründung mit einem freiwilligen Beitrag unterstützt. Jeden Tag erreichen uns begeisterte Nachrichten und Bewertungen. Das ist eine großartige Bestätigung unserer Arbeit und motiviert uns, noch besser zu werden. Seit März 2020 gibt es AfilioPlus, ein Angebot mit dem wir langfristig alle Afilio-Leistungen (dazu unten mehr) für einen geringen monatlichen Preis anbieten wollen. Heute (November 2020) hat AfilioPlus bereits 18.000 Mitglieder und wächst stetig. Danke, liebe Kunden, für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung!

Liebe Investoren, ohne Euch gäbe es kein Team und damit auch kein Afilio. Danke, dass ihr für unsere Ideen und Ansätze offen seid, auch, wenn wir einiges anders machen, als andere Startups. Ganz besonders bedanken möchten wir uns bei unseren Business Angels, die an uns geglaubt haben, als alles, was es von Afilio gab, diese Investorenpräsentation war. Ihr habt uns bereits drei Monate vor Gründung die Finanzierung zugesagt und das hat uns einiges erleichtert. 

Danke an alle, die uns in den letzten Jahren ausgehalten haben. Freunde, Familie, Partner. Es ist bestimmt nicht immer einfach, jemanden am Küchentisch sitzen zu haben, der pausenlos über eine grüne Internetseite, die Vorsorge einfach macht, reden möchte. Wie es scheint, müsst ihr das noch eine ganze Weile ertragen, denn wir stehen erst am Anfang.

Wie geht es weiter? Unser Ziel ist es, eine Plattform zu schaffen, die es jedem Menschen ermöglicht, das Thema Vorsorge schnell, einfach und vor allem ganzheitlich abzuhaken. Insbesondere für die finanzielle Vorsorge gibt es heute noch keine gute Lösung. Entweder man vertraut auf einen Vertreter, der Verkaufsziele hat und nur selten objektiv berät, oder man muss viele Stunden in Recherche investieren, um selbst eine Entscheidung zu treffen. Die einzige positive Alternative sind Honorarberater, die für ihre Beratung bezahlt werden und nicht für den Verkauf. Sie lohnen sich zwar langfristig, kosten initial aber mehrere Hundert Euro. Deshalb wird diese Option nur selten genutzt. 

Die verfügbaren Optionen sind nicht so prickelnd und wir haben eine Idee, wir wir eine viel bessere Lösung entwickeln können: Wir bilden die Beratungsqualität einer Honorarberatung digital ab und machen sie somit kostenlos für alle zugänglich. Falls Provisionen anfallen, werden 20% davon zum Ausgleich von CO2-Emissionen gespendet. Da stehen wir noch ganz am Anfang, aber hier kann man sich bereits für einen Beta-Test anmelden. Wir freuen uns über jedes Feedback!

Außerdem entwickeln wir derzeit Lösungen, die Familien in akuten Situationen wie einem Pflegefall weiterhelfen. Hier gibt es bereits einen Pflegegradrechner zu sehen, der ermittelt, welchen Pflegegrad ein Angehöriger bekommen müsste und welche Leistungsansprüche daraus entstehen. Der Pflegegrad und die Leistungen können anschließend direkt über Afilio beantragt werden. Hier geht’s zur Anmeldung für den Test

Wir haben eine einmalige Chance, ein Unternehmen aufzubauen, das Menschen bei wichtigen Themen wirklich hilft und ihnen den Rücken frei hält. Wenn Du uns dabei unterstützen möchtest, freue ich mich über Deine Nachricht z.B. per E-Mail an till@afilio.de.

--- English version ---

Afilio now has 2 million users - time for a recap 

I remember the first weeks when we set ourselves the goal of gaining 100 users. We were standing at a supermarket with our flyers in hand, yet afraid to talk to strangers about the topic of protecting their loved ones. Eventually, we left our flyers on the bulletin board, without any success. Today, almost three years later, we have 2 million users. It’s an indescribable feeling. 

We would like to take this milestone as an opportunity to answer the question we are asked most often: "How did you actually come up with the idea?”

A recap on the beginnings of a company is usually marked by the fact that the company has become a huge success. Then the story reads smoothly and every step makes sense. We have not yet reached this point with Afilio. It took us two years from the idea of founding a company together to the flyer campaign at the supermarket, a period of time in which many steps didn’t make sense. 

These two years begin with a lecture on Innovation Management at WHU University in Vallendar, where Philip and I studied Business Administration. The course covered companies like Uber, Delivery Hero & co. At the time, we both had grandparents in need of care and experienced firsthand how stressful this situation is for our families. It occurred to us that many of the innovations from our lecture are not really important for us personally, but could be life-changing for older people who rely on assistance. 

So the beginning of Afilio has nothing to do with insurance, or wills. It was much more about the question: “How can we make technological innovations more accessible to an older target group?” 

Our first idea: a technology-based care service that combines the benefits of personal care with the technological innovations of our everyday lives. With the help of a caregiver, seniors could, for example, use Alexa to independently order an Uber or a pizza, use Audible to listen to all available audiobooks, watch a live stream of the Alps on ARD at any time, or Skype with their family. That would improve their lives.  

At that time, we were convinced at least twice that we had an idea that would take off. Afilio was not one of them. 

"Sentek" made it the furthest (a combination of "seniors and technology"). The idea: intelligent hardware for seniors in need of care, i.e. technical products such as sensors or smartwatches that measure daily routines and vital functions, sounding the alarm if there are abnormal results.This means, for example, that seniors living alone can stay at home longer and relatives can be sure that everything is okay when they are not there themselves.

We had developed a business plan, set up a presentation for investors, submitted an extensive proposal to receive aid money from the state, ordered prototypes for the smartwatch, and ultimately even wrote our final thesis on this topic: “Technological Innovation and the Future of Senior Care”. 

For six months our plan was to launch “Sentek” after graduation. After the final thesis, we had to realize that this would not work. Existing solutions like the classic home emergency call are covered by insurance companies in Germany and there is no willingness to pay for innovative products. In addition, we did not dare to do hardware. In retrospect, we are very glad about that decision. 

There we were, sitting in our apartment in Vallendar in April 2017. A business degree in our pocket, but no brilliant idea in sight. So we decided to use this time and learn to code with the help of an online course. I failed the course, but it was still worth it. Philip managed to pass it - more or less. Needless to say, we couldn't write code properly either, but it was enough to create simple web pages.

Our brainstorming continued. It culminated in a long walk where we had to take turns coming up with ideas - no matter how absurd. The result was a jumbled list that was visibly created under time pressure. There were parts of Afilio among some of them, but Afilio was definitely not among the top five ideas.  

And then everything happened very quickly. Among acquaintances of my girlfriend's family, there were problems with the "digital estate" after someone had passed away. i.e. the data and online accounts of the deceased person. LinkedIn, for example, invited people to congratulate the now deceased on an anniversary and no one had access to their account.

We asked ourselves “how can you control your digital estate during your lifetime?” The answer: just like the rest of your estate, with a will. That was a good fit because the idea of a will generator and digital estate administrator was already on our list. The average will writer is also the same age as the initial target group to whom we wanted to make digital solutions accessible - so we came full circle.

In the initial discussions with the target group, it became immediately clear that topics such as power of attorney or a living will are much more relevant to people than the digital estate. Therefore, we decided to develop a platform where users can create these documents without a lawyer or notary and update them at any time free of charge. 

For two years we were looking for an idea. It felt like it was all you needed to build a successful business. When we finally had it, we realized it was only a small part. What really matters is the implementation, and we can't express how grateful we are for the support we've had along the way. 

Without Richard, our co-founder and CTO (Lead Developer), Afilio wouldn't exist. In the first year, he developed the platform almost single-handedly, and by now he has built the best product team in Berlin. I really believe that. It's partly because of the excellent people he's hired for the job, and partly because of the very special way he works and thinks. His way of questioning things thoroughly and pointing out options that others don't see at first glance has saved us from some missteps. 

Jan, our first employee, keeps us in a good mood every day. That might not sound like much, but it's incredibly important in a young company where a lot is uncertain. Most young companies give up because employees and the founders are demoralized. With a Jan on the team, that can't happen. Especially during home office time, it is difficult to keep a positive mood in the team, but it seems to come easy to him somehow.

Dear team, thank you for the great support! Thanks to you, we can't imagine a nicer job and can't wait to see what the next few years have in store for all of us.

Over 190,000 users have supported us with a voluntary contribution since our inception. Every day we receive enthusiastic messages and reviews. This is a great validation of our work and motivates us to get even better. In March 2020, we launched AfilioPlus, an offer that will provide all Afilio services (more on that below) for a low monthly price in the long run. Today (November 2020), AfilioPlus already has 18,000 members and is growing steadily. Thank you, dear customers, for your trust and support!

Dear investors, without you there would be no team and therefore no Afilio. Thank you for being open to our ideas and approaches, even if we do some things differently than other startups. We would especially like to thank our business angels, who believed in us when all there was of Afilio was this investor presentation. You guys committed funding to us three months before we were founded and that made things a lot easier for us. 

Thank you to everyone who has put up with us over the last few years. Friends, family, partners. It's certainly not always easy to have someone sitting at the kitchen table who wants to talk non-stop about a green website that makes life provisions easy. It looks like you're going to have to put up with this for quite a while because we're just getting started.

What's next? Our goal is to create a platform that enables everyone to protect the people they love quickly, easily, and, above all, holistically. Today, there is still no good solution for getting insurance in particular. Either you rely on an agent who has sales goals and rarely gives objective advice, or you have to invest many hours in research to make a decision yourself. The only positive alternative is fee-based advisors, who are paid for their advice and not for the sale. They are worthwhile in the long term but initially cost several hundred euros. That is why this alternative is rarely used. 

The available options are not so great. We have an idea for a much better solution: We digitally map the consulting quality of a fee-based consulting service and thus make it accessible to everyone free of charge. If commissions accrue, 20% of them will be donated to offset CO2 emissions. We are still in the early stages of this, but you can already sign up for a beta test here. We are looking forward to any feedback!

We are also currently developing solutions to help families in acute situations such as long-term nursing care. Already available is a care level calculator that determines which care level a relative could require and which benefit claims arise from this. The care level and the benefits can then be applied for directly via Afilio. Click here to register for the test. 

We have a unique opportunity to build a company that really helps people by taking care of important issues. If you would like to support us, I would be happy to hear from you. Drop me an email at: till@afilio.de


Der schwierigste Hire

Als wir Afilio starteten, hatte ich keine Zweifel, welche Hires am schwierigsten sein würden: Techies. Das hat mir damals jeder Gründer gesagt und ich habe es nicht hinterfragt.

Heute sehe ich das anders. Es ist die Person, die neben den Gründern den größten Einfluss darauf hat, wie sich das Team entwickelt. Der schwierigste Hire ist der erste People & Culture Manager. Allerdings müsste man ihn in meiner Vorstellung als Entrepreneur in Residence bezeichnen. 

Ich führe viele Interviews mit ambitionierten Kandidatinnen, die selbst einmal gründen wollen. Sie interessieren sich für internationale Expansion, den Aufbau neuer Vertriebswege und Produktentwicklung. Aber mir ist noch keine „zukünftige Gründerin” begegnet, die die Position kennenlernen möchte, die ich hier beschreibe - dabei macht sie einen Großteil vom „Gründer sein” aus. Es ist eine Position mit unfassbar vielseitigen und anspruchsvollen Aufgaben und der Chance, maßgeblich für den Erfolg des Teams und der gesamten Firma verantwortlich zu sein. 

Das Problem ist, dass der Erfolg von vielen externen Faktoren abhängt, die es schwer machen, die Performance einer People & Culture Managerin zu beurteilen. In dieser Position ist es möglich, alle vereinbarten Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen und trotzdem nur 10% des Potentials dieser Rolle zu nutzen. 

Wenn man beispielsweise das Onboarding verantwortet, kann man einen guten Onboarding-Prozess definieren und sich darum kümmern, dass er bei jedem neuen Hire eingehalten wird. Dann ist die Aufgabe zwar zufriedenstellend erfüllt, aber ich bin mir sicher, dass die Onboarding-Erfahrung mit diesem Ansatz nur ein Bruchteil von dem ist, was sie sein könnte. Um das gesamte Potential dieser Rolle zu nutzen, braucht es einen anderen Denkansatz. 

Meine Familie fragt mich manchmal, woran ich denn eigentlich so viel arbeite. Die „Website” sei doch fertig. Und tatsächlich ist es für einen Außenstehenden kaum begreiflich, warum wir so viel Zeit damit verbringen, unser Produkt zu optimieren. Neben den großen Ideen sind es aber vor allem diese kleinen, iterativen Verbesserungen, die dazu führen, dass unsere Nutzer zufrieden sind und uns mit freiwilligen Beiträgen unterstützen. Wir haben fast ein Jahr gebraucht, um den Prozess von der Erstellung eines Dokuments bis zur Bezahlung so zu optimieren, dass wir damit Geld verdienen. Das sind unzählige Stunden Arbeit für einen Funnel, der maximal 10 Schritte hat.

Ich bin mir sicher, dass das der einzige Weg ist, wirklich gute Produkte zu bauen - warum sollte er nicht auch bei dem Aufbau und der Weiterentwicklung des Teams erfolgreich sein? 

Ich glaube, dass man als People & Culture Managerin in den meisten Unternehmen gar nicht die Freiheit hat, das Potential dieser Rolle voll zu entfalten. Oft fühlt es sich so an, als würden die Gründer in dem People & Culture Manager eine Person suchen, die ihnen lediglich die Fleißarbeit abnimmt und vordefinierte Prozesse abarbeitet. Das kann daran liegen, dass die Rolle so große Überschneidungen mit der der Gründer hat. Dadurch gibt es oft die Aufteilung, dass die Gründer die großen, inspirierenden Aufgaben behalten und „den Rest” an „die HR Abteilung” abgeben. Um ehrlich zu sein, haben wir das am Anfang auch so gemacht.

Mittlerweile ist uns klar geworden, dass die großen und inspirierenden Aufgaben so groß sind, dass wir sie nicht alleine bewältigen können, selbst wenn uns jemand die Fleißarbeit abnimmt. Deshalb suchen wir Unterstützung auf Augenhöhe. Ja, Fleißarbeit gehört dazu, aber das können viele. Wir suchen jemanden, der mit uns an den großen Themen arbeitet, Verantwortung übernimmt und das Potential dieser Rolle erkennt. Jemanden, der den Mut hat, diese neue Rolle selbst aufzubauen und zu definieren. Was wir bieten ist die Freiheit, genau das zu tun, bedingungslose Unterstützung und echte Wertschätzung.

Ziele

Ich habe mir einmal vorgenommen, Spanisch zu lernen. Der Plan: jeden Tag 20 Minuten lang Vokabeln lernen. Das ging zwei Wochen lang gut, dann wurde es wackelig und nach drei Monaten schaute ich mir die Vokabeln gar nicht mehr an. Dann war ich unzufrieden. Ich fand mich zu undiszipliniert, dachte an all die Stunden, die ich sinnlos vertrödelt hatte und fragte mich, warum ich es nicht gepackt habe.

Im Nachhinein lautet die ehrliche Antwort: Meine Motivation war nicht, Spanisch zu sprechen, sondern „jemand zu sein, der Spanisch spricht“. Und das reicht nicht.
Ich habe mich nicht wie jemand verhalten, der Spanisch sprechen will.

Wenn wir nicht erreichen, was wir uns vornehmen, zweifeln wir. Wir sind enttäuscht und unzufrieden, finden uns nicht gut genug, zu schwach, zu schüchtern, zu dick, zu dumm. Wir zweifeln an unseren Fähigkeiten und Eigenschaften. Aber wir fragen uns nicht, ob wir die Dinge, die wir als so wertvoll erachten, dass wir sie uns vornehmen, wirklich wollen und warum.

Immer wenn man sich ein neues Ziel setzt und vorhat, richtig durchzustarten, sollte man auf diese Frage eine Antwort haben. Und zwar eine gute. Denn nur dann lohnt sich der Aufwand. Nur dann bleibt man auch bei der Sache, wenn es zäh wird. Man braucht einen guten Grund, um viel Sport zu machen, einen Job mit >60 Stunden-Woche zu wählen - oder eine Fremdsprache zu lernen.

Mein Opa Kuddel

Normalerweise liegen Menschen, die zum Sterben ins Krankenhaus kommen, auf der Palliativstation. Mein Opa nicht. Er hatte vorgesorgt und konnte ein Zimmer in der „Privita Komfortklinik“ beziehen. Schlitzohr.

Er nahm die Dinge selbst in die Hand und hatte entschieden, dass seine Zeit gekommen war. Das mussten wir respektieren. Als er so da saß und erzählte, rechnete ich jedoch fest damit, dass er jeden Moment aufstehen würde. Er sah lebendig aus. Alt, aber lebendig.

Mit fast 94 Jahren war mein Opa Kuddel auf dem Sterbebett der glücklichste Mann im Raum. Es war der Vorabend seines Geburtstages und er wollte seine „Gäste“ nicht enttäuschen. Außerdem hatte er in seinem Leben größere Herausforderungen gemeistert, als dass Sterben ihm die Stimmung vermiesen könnte.

Sein Vater starb, als er noch ein Kind war. Die Schule brach er ab und folgte seinen älteren Freunden unbesonnen in die Hitlerjugend. Um, wie er sagte, „etwas in der Hand zu haben“, absolvierte er rechtzeitig vor Kriegsbeginn eine kaufmännische Lehre. Zur Abschlussprüfung erschien er bereits in Uniform.

Letztes Jahr zog ich nach Berlin, in die Nähe der Kastanienallee. Im selben Alter, während des Endkampfes in Berlin 1945, kämpfte er sich an dieser Stelle durch die feindlichen Linien, um aus Berlin zu fliehen und der Kriegsgefangenschaft zu entgehen. Erschöpft ist er bei einer Rast in den Wäldern am Rande Berlins eingeschlafen und wurde von seinen Kameraden zurückgelassen. Das war sein großes Glück, wie er sagt. Auf sich alleine gestellt war die Chance, erwischt zu werden, geringer. Er machte sich auf einen dreimonatigen Fußmarsch nach Hamburg, seiner Heimatstadt und orientierte sich dabei an der Sonne. Daran muss ich denken, wenn ich mich mit meinem iPhone in der Hand verlaufe.

In Hamburg angekommen hatte er die Wahl zwischen drei Berufen: Maler, Dachdecker oder Tischler. Er entschied sich dazu, auf den Dächern Hamburgs seinen Beitrag zum Wiederaufbau zu leisten. Noch in seinen letzten Jahren, inzwischen fast erblindet, konnte er mir auf gemeinsamen Ausflügen durch Hamburg immer genau sagen, auf welchen Dächern er gearbeitet hat.

Die Zeit als Dachdecker währte nicht lange. Es gab kaum Nahrungsmittel, erst Recht kein Fleisch. Bekannte von Kuddel kamen auf die Idee, einen stehenden Frachtzug aufzubrechen, um ein Paar Kisten Trockenfleisch zu ergattern. Kuddel musste Schmiere stehen. Einige Wochen später stand die Polizei vor der Wohnung seiner Mutter, dort lebte er zur Zeit. Auf dem Dachboden fanden sie die noch fast volle Kiste Trockenfleisch und für Kuddel ging es für acht Monate hinter Gitter. Als er mir die Geschichte erzählte, bereute er, das Fleisch nicht eher verputzt zu haben. Es war für ihn so wertvoll, dass er sich jeden Tag nur ein kleines Stück genehmigte. Außerdem plagte ihn ein schlechtes Gewissen und er war beinahe froh, dass er davon bereinigt wurde. Weniger froh war er über die Tatsache, dass er die nächsten Monate im Gefängnis verbringen musste. Das war jedoch besser, als die russische Kriegsgefangenschaft.

70 Jahre später sitze ich an seinem Sterbebett. Mein Vater, sein Sohn, an seiner Seite. Er kann kaum noch atmen, seine Lungen sind mit Flüssigkeit gefüllt. Er sagt zu mir “Ich habe immer bis zum Schluss gekämpft” und mir wird klar: jeder Atemzug könnte sein letzter sein. Das dachten wir auch gestern, als es hieß, er habe nur noch wenige Stunden zu leben. Ich nahm den ersten Zug aus Berlin und eilte ins Krankenhaus. Als ich dort ankam, saß er in seinem Bett und erzählte einen Witz.  “Na, wie laufen die Geschäfte?”, fragt er, als ich sein Zimmer betrete, in dem bereits die restliche Familie versammelt ist. Den gesamten Abend lang macht er nicht den Anschein, als würde er im Sterben liegen. Er sagt zum Abschied fröhlich: “Sieht so aus, als müsstet ihr die Zeremonie morgen noch einmal wiederholen!”

Das taten wir. Am nächsten Tag, seinem Geburtstag, haben wir uns alle um sein Bett versammelt und auf ihn angestoßen. Abends verabschiedeten wir uns endgültig von ihm, jeder für sich. Ich sagte ihm, dass ich sehr stolz auf ihn bin und er mein größtes Vorbild sei. Seine letzten Worte an mich waren: „Dir früher beim Handball zuzusehen war für uns immer die größte Freude. Wie Du über den Platz gelaufen bist, so aufmerksam und lebendig, das war", er machte eine lange Pause, „eine Offenbarung.“ Ich habe es leider versäumt, ihn zu fragen, was genau ihm damit offenbart wurde. Schließlich war ich erst sechs Jahre alt. In meiner Erinnerung sind meine unkoordinierten Bemühungen, den kleinen Ball in das Netz zu werfen, weit entfernt von dem, was mir in den Sinn kommt, wenn ich an eine Offenbarung denke. Ich verabschiede mich von ihm: „Grüß Oma von mir“. Er lacht.

Man sagt, dass Menschen in Todesnähe ihr Leben Revue passieren lassen. Daher war ich gespannt, was er uns sagen würde, als er tief Luft holte und seine Kraft zusammennahm, um uns eine Botschaft mit auf den Weg zu geben. Es folgte... ein Witz. Und was für einer. Es ging um den Penisvergleich zwischen einem Jungen und einem Pferd. Ich frage mich, was in diesen letzten Stunden in seinem Kopf vorging, dass er sich von all den Dingen, die er hätte sagen können, für einen anzüglichen Witz entschied. Nichts hätte uns mehr gezeigt, dass er mit sich und der Welt im Reinen war.

Nach drei Tagen mit seiner Familie ist er in der Folgenacht seines Geburtstages friedlich eingeschlafen. Zurückblickend waren es für mich drei schöne Tage. Die gemeinsame Erfahrung verbindet unsere Familie. Wir haben ihm einen schönen Abschied ermöglicht. Vor allem aber hat er wahre Stärke gezeigt, indem er selbst im Sterben liegend Witze gerissen, Sprüche geklopft und gelacht hat.

Als ich einige Tage später meine Rede für seine Bestattung schreibe, frage ich mich, ob ich jemals so zufrieden, gelassen, dankbar und gleichzeitig diszipliniert und willensstark wie Kuddel sein werde. Schließlich waren seine einzigartigen Eigenschaften ein Ergebnis der harten Zeiten, durch die er sich kämpfen musste. Das ist bei mir anders, denn vergleichbare Herausforderungen gibt und gab es für mich nicht. Das gilt, zumindest in Deutschland, für einen Großteil meiner Generation. Im Alter, in dem Kuddel 3 Monate lang durch den Dreck nach Hause kroch, in der Lebensphase, in der er im Gefängnis war, weil Trockenfleisch so wertvoll war, um dafür ein “Verbrechen” zu begehen, sorgen wir uns um Fitness und Lifestyle und sind damit besorgt, “uns selbst zu finden”. Wir bekommen nicht nur Midlife- sondern auch Quarterlife-Crisis und Burnout im Studium.

Statt Krieg, Hunger und Ungewissheit haben wir Probleme damit, morgens aufzustehen und abends einzuschlafen, sind oft gereizt aber selten erschöpft, weil wir nicht hart arbeiten und das auch nicht müssen. Wir wurden beschützt und verschont, das hat uns vieles erspart. Doch bezahlen wir jetzt dafür mit dem Gefühl, verloren zu sein. Wir sind die erste Generation in Deutschland, die ohne die direkten oder indirekten Folgen eines Kriegs oder schwerwiegenden Konflikts aufwächst und nach dem Schulabschluss nicht zum Bund oder Zivildienst muss. Wir sind die Ersten, die wirkliche Freiheit haben - und leiden darunter zunehmend.

Wir stellen uns Sinnfragen, die sich vor einigen Jahrzehnten kein 20-Jähriger gestellt hätte. Identitätskrisen, Unsicherheit und Unzufriedenheit sind die Folge. Wir sind wie gelähmt und können das Potential, das Freiheit mit sich bringt, weder ausschöpfen, noch genießen.

Kuddel konnte das, denn er musste sich seine Freiheiten erst verdienen.

Ich bin ihm dankbar dafür, dass er mir ein so guter Lehrer war und bin mir sicher: wenn meine Enkelkinder einmal so über mich denken, wie ich über ihn, dann ist alles gut. Bis dahin ist es noch ein langer - und mit Anfang 20 - unklarer Weg. Ob die Ungewissheit jemals verschwinden wird, weiß ich nicht - ich bezweifle es stark. Die Sicherheit und Ruhe, den Schutz, den Eltern und Erwachsene aus Sicht eines Kindes ausstrahlen, entpuppen sich mit der Zeit als immer stärker bröckelnde Fassade und es scheint, als würde es den Zustand, den Kinder als “erwachsen” wahrnehmen, gar nicht geben.

In dieser Orientierungslosigkeit  suche ich nach Weisheit, Regeln und Prinzipien und finde sie immer wieder unerwartet in Kuddels Leben.

Es geht mir nicht darum, „alles“ richtig zu machen. Auch Kuddel hatte viele Fehler. Mein Ziel ist es, unabhängig von Leid, Niederlagen und Enttäuschung mit einem breiten Grinsen durchs Leben zu gehen, mich selbst nicht so ernst zu nehmen, hart zu arbeiten und mein privilegiertes Leben wertzuschätzen - wie mein Opa es mir beigebracht hat.