Ziele

Ich habe mir einmal vorgenommen, Spanisch zu lernen. Der Plan: jeden Tag 20 Minuten lang Vokabeln lernen. Das ging zwei Wochen lang gut, dann wurde es wackelig und nach drei Monaten schaute ich mir die Vokabeln gar nicht mehr an. Dann war ich unzufrieden. Ich fand mich zu undiszipliniert, dachte an all die Stunden, die ich sinnlos vertrödelt hatte und fragte mich, warum ich es nicht gepackt habe.

Im Nachhinein lautet die ehrliche Antwort: Meine Motivation war nicht, Spanisch zu sprechen, sondern „jemand zu sein, der Spanisch spricht“. Und das reicht nicht.
Ich habe mich nicht wie jemand verhalten, der Spanisch sprechen will.

Wenn wir nicht erreichen, was wir uns vornehmen, zweifeln wir. Wir sind enttäuscht und unzufrieden, finden uns nicht gut genug, zu schwach, zu schüchtern, zu dick, zu dumm. Wir zweifeln an unseren Fähigkeiten und Eigenschaften. Aber wir fragen uns nicht, ob wir die Dinge, die wir als so wertvoll erachten, dass wir sie uns vornehmen, wirklich wollen und warum.

Immer wenn man sich ein neues Ziel setzt und vorhat, richtig durchzustarten, sollte man auf diese Frage eine Antwort haben. Und zwar eine gute. Denn nur dann lohnt sich der Aufwand. Nur dann bleibt man auch bei der Sache, wenn es zäh wird. Man braucht einen guten Grund, um viel Sport zu machen, einen Job mit >60 Stunden-Woche zu wählen - oder eine Fremdsprache zu lernen.

März 2020